Unternehmer sind laut DGUV Vorschrift 3 (früher BGV A3) verpflichtet, ihre elektrischen Betriebsmittel und Anlagen prüfen zu lassen. Die Nichtbeachtung dieser Vorschrift kann schwerwiegende Folgen haben. Die Prüfung ortsveränderlicher elektrischer Betriebsmittel und ortsfester Anlagen stellt Unternehmer häufig vor unangenehme Herausforderungen. Betriebsmittel, Geräte, Anlagen – allein die Definition der Begrifflichkeiten sorgt in vielen Fällen für Verwirrung.

Unser Beitrag fasst alle wichtigen Informationen für Sie zusammen. Wir verraten Ihnen, was nach DGUV V3 geprüft werden muss und geben Ihnen einen umfassenden Überblick über die verschiedenen Kategorien und Prüffristen.

Was ist DGUV Vorschrift 3?

Der Begriff DGUV steht für Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung. Die Vorschriften sind für alle Mitglieder der Berufsgenossenschaften verbindlich. Die DGUV V3 ist eine Unfallverhütungsvorschrift der DGUV und geht speziell auf gewerblich verwendete elektrische Anlagen und Betriebsmittel ein. Sie stellt die verbindlichen Pflichten in puncto Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz dar. Die Vorschrift trat am 01. April 1979 unter dem Namen BGV A3 in Kraft und wurde am 1. Mai 2014 in die DGUV Vorschrift umbenannt. Grund für die Namensänderung war der Zusammenschluss der Berufsgenossenschaften und der öffentlichen Unfallversicherungsträger. Inhaltlich hat sich nichts geändert.

Was muss nach DGUV Vorschrift 3 geprüft werden?

In der DGUV Vorschrift steht die Arbeitssicherheit im Zusammenhang mit elektrischen Geräten, Anlagen und Maschinen im Vordergrund. Dies betrifft die Anlagen, Maschinen und Betriebsmittel selbst sowie nicht elektrotechnische Arbeiten in deren Nähe. Nicht elektrotechnische Arbeiten sind beispielsweise Bau-, Montage- und Anstricharbeiten. Während einer DGUV V3 Prüfung, auch E-Check und VDE Prüfung genannt, wird untersucht, ob die elektrischen Geräte, Anlagen und Maschinen sicher sind und ordnungsgemäß funktionieren. Dies sollte vor Erstinbetriebnahme sowie nach Instandsetzungen und Änderungen geschehen. Darüber hinaus ist die Prüfung in regelmäßigen Abständen vorgeschrieben. Die Unfallverhütungsvorschrift unterteilt die elektrischen Betriebsmittel in ortsveränderlich und ortsfest. In der Praxis ist dies von Bedeutung, weil für ortsfeste Geräte andere Prüfintervalle gelten.

DGUV Vorschrift 3 Geräte

Ortsveränderliche Geräte

Von der Prüfung ortsveränderlicher elektrischer Betriebsmittel ist ein breites Sortiment des täglichen Arbeitsumfelds betroffen. Ortsveränderliche Geräte lassen sich leicht bewegen und von einem Platz zum anderen transportieren, während sie an einen Versorgungsstromkreis angeschlossen sind. Sie besitzen einen Stecker und sind nicht fest verbaut. Zu den ortsveränderlichen Geräten gehören zum Beispiel:

  • Bürogeräte wie Computer, Drucker und Monitor
  • Werkzeuge wie Bohrmaschine, Winkelhammer und Handkreissäge
  • Haushaltsgeräte wie Staubsauger, Wasserkocher, Kaffeemaschine
  • Laborgeräte, Messgeräte
  • Anschlussleitungen
  • Kabeltrommel, Mehrfachsteckdosen, Verlängerungsleitungen
  • Lampen

Die DGUV Prüfung umfasst auch akkubetriebene Prüfungen – beispielsweise Laptops und Werkzeuge, die über einen Akku verfügen. Für ortsveränderliche Geräte ist ein Prüfintervall von sechs Monaten und auf Baustellen von drei Monaten vorgesehen.

Unterschreiten die Geräte während der Prüfung eine Fehlerquote von zwei Prozent, kann das Prüfintervall verlängert werden. In diesem Fall ist auf Baustellen jährlich und in Büros alle zwei Jahre zu prüfen. Wichtig ist, dass das Intervall den für das Betriebsmittel festgelegten Maximalwert nicht überschreitet.

Ortsfeste Geräte

Ortsfeste Geräte sind fest angebracht. Sie besitzen keine Tragevorrichtung und lassen sich nicht bzw. nur schwer bewegen. Elektrische Betriebsmittel, die vorübergehend fest angebracht sind und über bewegliche Anschlussleitungen betrieben werden, sind ebenfalls ortsfest.

Motoren und Lampen, die in einer elektrischen Anlage ihren Dienst verrichten, gehören beispielsweise zu den fest eingebauten Betriebsmitteln. Durchlauferhitzer, Kühlschränke, Standbohrmaschinen und Hebebühnen sind Beispiele für ortsfeste Geräte mit Steckverbindung.

Die DGUV legt das maximale Prüfintervall für ortsfeste Geräte auf vier Jahre fest. In sensiblen Bereichen (DIN VDE 0100 Gruppe 700) ist jährlich zu prüfen. Demnach sollten Geräte im Feuchtraum mindestens jährlich geprüft werden, während für Geräte im Bürotrakt ein Intervall von vier Jahren vorgesehen ist.

Für elektrische Anlagen gelten ähnliche Regelungen. Hier unterscheidet die DGUV Vorschrift 3 zwischen stationären und nicht-stationären Anlagen.

Elektrische Anlagen

Für einen Laien ist es schwer einzuordnen, was eine elektrische Anlage ist. Die DGUV V3 gibt Hilfestellung. Sie definiert elektrische Anlagen als einen Zusammenschluss elektrischer Betriebsmittel zu einer neuen Einheit. Ein gutes Beispiel ist die elektrische Gebäudeinstallation. Sie besteht aus mehreren Betriebsmitteln, die einzeln geprüft werden müssen – von der Leitung über den Verteilerkasten bis zur Steckdose. Stationäre Anlagen sind ortsfest. Sie sind fest in einer Immobilie oder in einem Fahrzeug verbaut. Beispiele sind:

  • Heizungs-, Klima- und Lüftungstechnik
  • Rolltore, Schranken
  • Brandmeldeanlagen
  • Aufzüge, Rolltreppen

Nichtstationäre Anlagen zeichnen sich dadurch aus, dass sie zum Betrieb zusammengebaut und nach ihrem Einsatz zerlegt werden. Als Beispiel nennt die DGUV Vorschrift 3 Anlagen auf Baustellen oder Montagestellen. Elektrische Anlagen müssen alle vier Jahre geprüft werden. Anlagen besonderer Art (DIN VDE 0100 Gruppe 700) sind einer jährlichen DGUV V3 Prüfung zu unterziehen.

Elektrische Maschinen

Elektrische Maschinen verfügen im Normalfall über elektrische Antriebe und hohe Schutzmaßnahmen. Sie sind mit einer Not-Aus-Einrichtung versehen, um unmittelbar drohende Gefahren bestmöglich abwenden zu können. Beispiele sind Roboteranlagen, Produktionsstraßen und Pressen. Für elektrische Maschinen sieht die DGUV V3 ein Prüfintervall von vier Jahren vor.

Hinweis: In vielen Fällen lässt sich nur schwer unterscheiden, ob es sich um ein elektrisches Gerät, eine elektrische Anlage oder Maschine handelt. Letztendlich entscheidet die verantwortliche Elektrofachkraft, nach welchen Kriterien ein Arbeitsmittel geprüft werden muss.

DGUV Vorschrift 3 Maschine

Was sagt die DGUV Vorschrift 3 zur Qualifikation des Prüfpersonals?

Die DGUV Vorschrift setzt voraus, dass die Prüfung elektrischer Betriebsmittel und Anlagen nur von einer Elektrofachkraft durchgeführt werden darf, die nach den Technischen Regeln für Betriebssicherheit (TRBS 1203) befähigt ist. Diese sogenannte „befähigte Person“ muss folgende Voraussetzungen erfüllen:

  • abgeschlossene elektrotechnische Ausbildung bzw. entsprechendes Studium
  • mindestens einjährige Berufserfahrung auf dem Gebiet der Elektroprüfung
  • die Kenntnisse müssen durch regelmäßige Schulungen auf den neuesten Stand gebracht werden

Welche Konsequenzen drohen bei einer Nichteinhaltung der DGUV V3?

Die DGUV V3 Prüfung ist durch die Berufsgenossenschaft vorgeschrieben. Ihr Charakter ist verbindlich – hält sich ein Unternehmer nicht an diese Vorgabe, kann dies ernsthafte Konsequenzen mit sich bringen. Bei Nichtbeachtung der VDE-Bestimmungen drohen Bußgelder. Lässt ein Unternehmer die VDE Prüfung bewusst nicht durchführen, erfüllt dies sogar einen Straftatbestand.

Kommt es zu einem Unfall mit einem elektrischen Betriebsmittel, springt im Regelfall die gesetzliche Unfallversicherung ein. Voraussetzung ist, dass in regelmäßigen Abständen eine DGUV V3 Prüfung durchgeführt wurde. Unternehmer, die sich nicht an die Vorgaben der DGUV V3 gehalten haben, müssen für den Schaden selbst aufkommen. Dem Unternehmen drohen womöglich zusätzlich existenzgefährdende Klagen auf Schadensersatz.

Technische Aufsichtsbeamte der Berufsgenossenschaften prüfen stichprobenartig, ob die Prüfung ortsveränderlicher elektrischer Betriebsmittel und ortsfester Anlagen regelmäßig durchgeführt wurde. Auch Haftpflichtversicherungen verlangen häufig einen Nachweis als Voraussetzung für einen Vertragsabschluss.

DGUV V3 Prüfung – von der Sichtprüfung bis zum Prüfprotokoll

Die Elektrogeräteprüfung wird in drei Stadien eingeteilt: Sichtprüfung, Messprüfung und Funktionsprüfung.

Ziel einer Sichtprüfung ist es, eine Einschätzung des Wartungszustandes zu bekommen. Die Elektrofachkraft überprüft die Geräte und Anlagen auf äußerliche Mängel wie defekte Stecker und beschädigte Leitungen. Ferner gehören fehlende Schutzabdeckungen und verstopfte Kühlöffnungen zu den Mängeln. Laut DGUV werden im Laufe einer Sichtprüfung circa 80 Prozent der Mängel erkannt. Während der Messprüfung stellt die Elektrofachkraft fest, ob der Benutzer des Betriebsmittels/der Anlage vor einem Stromschlag geschützt ist. Im Rahmen der Funktionsprüfung kontrolliert der Prüfer sicherheitsrelevante Elemente wie Schutzschalter, Erdungssysteme etc.

Hinweis: Die DGUV Vorschrift 3 enthält eine Durchführungsanweisung. Diese gibt an, wie die in der DGUV normierten Schutzziele erreicht werden können.

Die Ergebnisse der DGUV Prüfung werden in einem sogenannten Prüfprotokoll dokumentiert. Der Prüfbericht kann Hinweise zu Reparaturen sowie Optimierungsempfehlungen enthalten. Die sachgerechte Dokumentation ist gesetzlich vorgeschrieben. Sie ist der Nachweis, dass die DGUV V3 Prüfung ordnungsgemäß durchgeführt wurde.

Unternehmer sind gut beraten, die Dokumentation längerfristig aufzubewahren, um im Schadensfall einen ordnungsgemäßen E-Check nachweisen zu können. Weiterhin lassen sich durch den Prüfbericht Veränderungen des Zustandes der elektrischen Betriebsmittel und Anlagen feststellen – die Prüffristen werden dementsprechend bestätigt oder angepasst.

Fazit

Ob ortsveränderliche Geräte oder ortsfeste Anlagen: Unternehmer sind gemäß DGUV V3 verpflichtet, alle im Betrieb befindlichen Betriebsmittel prüfen zu lassen.

Die Elektrogeräteprüfung darf ausschließlich von einer qualifizierten Elektrofachkraft durchgeführt werden. Prüfgegenstände sind ortsfeste und ortsveränderliche Geräte sowie elektrische Anlagen und Maschinen. Der Prüfer geht während der Prüfung nach den vorgeschriebenen DIN-Normen vor.

Durch die DGUV V3 Prüfung können etliche Unfälle mit elektrischen Geräten und Anlagen vermieden werden. Sie schützt den Unternehmer vor Haftungen. Nehmen die Unternehmen ihre Aufgabe ernst, ist die Elektroprüfung nicht nur eine rechtliche Absicherung, sondern trägt maßgeblich zur Sicherheit der Arbeitnehmer bei. Im Interesse aller Beteiligten sollte einer regelmäßigen Überprüfung daher nichts im Wege stehen.